Bereits am Donnerstag ging es los. Natürlich mit Air Berlin. Die Marathon-Woche war gekommen. Nach den diversen Urlauben in den letzten sechs Wochen war ich zwar nicht optimal in Form, die vergangenen Monate Training hatten sich aber ausgezahlt und ich war ausreichend vorbereitet. Sofern man das vor dem ersten Marathon wissen kann. Ich fühlte mich gut, erholt und hatte eine riesige Vorfreude auf Sonntag, den Tag der Wahrheit.

Bereits im Mai hatte ich einen “Probemarathon” in Regensburg – meiner Heimatstadt – geplant, um mich für Berlin vorzubereiten. Daraus wurde jedoch nichts. Zu wenig Zeit, zu viel Ausreden. Kurz vor dem Marathon in Regensburg hatte ich meine Anmeldung auf den Halbmarathon umgebucht. Rückblickend war das auch gut so, es war viel zu heiß zum Eisessen, aus Läufersicht jedoch ziemlich ernüchternd.

So oder so hüpfte ich gefühlt am Flughafen in München dem Flugzeug entgegen. Ich war noch nicht in New York, war verzeihbar ist, war aber bisher auch noch nie in der Hauptstadt und freute mich daher schon lange auf die Reise. Geplant war der Hinflug am Donnerstag, dann Sightseeing Deluxe, um die Beine schön müde zu machen, Marathon am Sonntag und ein ruhiger Montag mit dem Rückflug.

Das ist Berlin

Zugegeben: Tegel hat mich als Münchner nicht überzeugt. Aber das sollte die Vorfreude nicht schmälern. Immerhin kann man mit einer einzigen Zone vom Flughafen in die Innenstadt, das kenne ich von zu Hause leider nicht ganz. Kurz über die Fahrpläne geschaut habe ich mein Hostel dann auch gefunden und kam relativ zügig an. Hier übrigens eine klare Empfehlung für das Heart of Gold, es liegt zentral in der Nähe des Startbereichs, ist absolut bezahlbar und das Personal war freundlich.

Nachdem ich meinen Kram im Zimmer verstaut hatte ging es direkt zur Messe, um meine Startnummer abzuholen und ein paar Naschereien für das Rennen zu besorgen. Die hatte ich natürlich vergessen. Wie immer habe ich mich verfahren und bin falsch ausgestiegen, also ging es zu Fuß weiter. Zum Glück hatte ich ausgeleierte Schuhe dabei, die mit Wohlwollen meine Füße strapazierten. Die Messe ist – verglichen mit München, Regensburg oder anderen deutschen Sportmessen – riesig! Es gab mehrere Hallen voll mit Merch, Riegeln und sonstigem Kram, den man nicht braucht aber unbedingt haben will. “Wie bekomme ich das ganze Zeug ins Handgepäck, das eh schon voll ist” lautete also die Frage. Die Startnummer habe ich zumindest recht zügig bekommen und durfte dann eine gefühlte Ewigkeit für ein Foto auf dem Treppchen anstehen. Hat sich aber gelohnt. Müde, durstig und trotzdem voll mitiviert stilecht in Arbeitsklamotten posierte ich dann also für meine Erinnerungen:

Endlich die Startnummer in der Hand

Endlich die Startnummer in der Hand

Abends angekommen ging es erst einmal auf Futtersuche, eine Currywurst musste also her. Die gibt es bekanntlich an jeder Ecke, also hatte ich in den nächsten Tagen viel vor mir.

Abends war ich hellwach und hab mir ein paar Pils an der Bar geordert. Es war Happy Hour für Beck’s. Gut für Beck’s, schlecht für mich … Danach drehte ich noch eine Runde und erkundete die Umgebung. Also habe ich mir das Kanzleramt, das Holocaust-Mahnmal, das Brandenburger Tor natürlich und weiter in der Nähe liegende Touri-Highlights angesehen. Zum ersten Mal bei Nacht. Sehr interessant, weniger Menschen und für mich einfach das Höchste.

Einmal Touri zum Mitnehmen bitte

Freitags ging es dann raus und Berlin erkunden. Ich wollte möglichst alles in einen Tag packen. Wie das geht? Ich glaub garnicht, aber ich wollte es versuchen. Los ging es mit dem Brandenburger Tor, dem Reichstag und dem Denkmal, die in der Nähe des Hostels waren. Ich war zwar schon gestern Nacht hier, bei Tage hatte das alles aber ein völlig andere Wirkung. Ich kann nicht sagen, ob es besser oder schlechter war, nachts ist nichts los, tagsüber sieht man natürlich besser.

Es ging weiter zur Mauer und Checkpoint Charlie, um die Geschichte abzuhaken. Das fiel mir zugegebenermaßen schwerer als ich dachte. Wenn man vor Ort ist und an der Stelle des Geschehens ist, ist es halt doch anders als im Geschichtsunterricht im Klassenzimmer. Es geht einem näher, unter die Haut. Trotzdem war es sehr interessant, wie alles neben der Mauer aussah und heute ist. Ein wirklich bemerkenswerte Stadt mit so vielen Facetten.

Wo wir geraden von “Facetten” reden, ich wurde quasi schon seit Donnerstag magisch vom Fernsehturm angezogen und kam so natürlich auch am Alex vorbei, wo – wie könnte es anders sein – gerade das Oktoberfest stattfand. Ein wahrhaft gänsehausfördernder Moment für mich. Es gab theoretisch bayerisches Essen in Maßkrügen, die mehr Ähnlichkeit mit einem Wasserglas hatten. Aber ein haben die Berliner doch gekonnt von der Wiesn übernommen: den Preis!

Das war zu viel für mich und so hatte ich ein weiteres Ziel am Wochenende und wollte eine Currywurst-Marathon machen. Jeden Tag mindestens eine Currywurst. Wenn ich gewusst hätte, dass es sogar mehr werden würden …

Es ging nochmal zur Sportmesse und durch die vielen Gänge der Stände hindurch. Ich hatte mir das Finishershirt bei der Registrierung nicht gekauft, da ich es mir erst “verdienen” wollte. Trotzdem, ich war guter Dinge und kaufte mir eins, immerhin will man ja gut gelaunt in seinen ersten Marathon starten. Was ich mich immer gefragt habe, gibt es Menschen, die sich das Finishershirt kaufen und es dann trafen, wenn sie es nicht schaffen oder nicht antreten? Ich glaube ich würde es ja spenden.

Touri-Feeling am Brandenburger Tor

Der Samstag stand auch ganz im Zeichen des Sports. Ich wollte natürlich weiter die Stadt ansehen, der Fokus lag jedoch auf dem Skater-Marathon im Mittag und dem Besuch des Flagship-Stores von adidas. Darum ging es erst einmal durch die Stadt, um die Beine warm zu halten und in Richtung des Startbereichs. Im Vergleich zu Freitag war nun alles voller Menschen, die Absperrungen waren dicht und die Bänke vor den Imbissbuden waren voll. Überall waren Inlineskates zu sehen und ich war gespannt auf das Event. Ich bin vor Jahren geskatet, wenn man das so nennen kann. Ich war ein Kind, hatte Inliner und konnte damit fahren. Das wars. War hier jedoch an den Start ging, war etwas ganz anderes. Die Rollen waren größer und oft hatten die Schuhe nur drei Räder unter sich. Das war für mich alles neu und ich sah mir das Spektakel in Ruhe an. Mitmachen kam für mich nicht in Frage, zu groß war der Respekt vor dem Start, bei dem das Gedrängel mit Sicherheit groß sein würde und ich mir nich vorstellen konnte, wie man mit den Rollen unter den Füßen so gut und schnell ausweichen kann. Ganz zu schweigen, danach dann noch 42km hinter sich zu lassen. Nein danke! Also ging es zielgerichtet zum Currywurst-Stand! Das war mir vertraut, da fühlte ich mich wohl.

Gestärkt ging es dann ein Stück weiter zur Tribüne, auf der ein großes Banner mit den Namen aller Teilnehmer aufgehängt war. Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich mich auch unter den rund 40.000 Namen gefunden. Natürlich haben sie es einem nicht leicht gemacht und die Namen alphabetisch horizontal hingeschrieben. Am Ende jeder Zeile angekommen durfte ich dann wieder ein paar Meter zurück laufen. Aber dann hab ich mich gefunden:

Nach ewiger Suche endlich mich gefunden!

Dann ging es auch schon los, der Startschuss viel und ich wartete auf der anderen Seite des Regierungsgeländes auf die Skater. Nach ein paar Minuten kam die Elite angerauscht, kaum zu glauben mit war für einem Tempo die den Marathon angingen. Der Fahrtwind war gut spürbar und die Zuschauer waren so begeistert wie ich. Es war zwar nicht mein Sport aber im wahrsten Sinne des Wortes mitreißend! Nach einer knappen Stunde kamen die Sieger auch schon wieder im Ziel an. Ich war mittlerweile wirklich beeindruckt von dem Sport und überlegte, wie ich das mit den Rollen noch in meine Freizeit einbauen könnte.

Aber darum ging es mir an diesem Wochenende ja nicht, also ging es wieder durch die Stadt und zum adidas Flagship Store, um die neuen Klamotten anzusehen. Ich hatte natürlich den Rucksack bis oben hin vollgepackt und hatte nicht alles dabei, was ich gerne hätte und so entschied ich mich noch für eine dünne Jogginghose für nach dem Marathon und ein Outfit aus neuer Hose und passendem T-Shirt. Das musste aber auch reichen, allein der Inhalt des Starterbeutels könnte knapp werden, um den Rucksack zum platzen zu bringen.

Die Anzeichen des Marathons auf den Straßen der Stadt

Abends ging es dann traditionsgemäß zum Italiener. Einerseits wollte ich nicht weit gehen, andererseits sollte es aber auch richtig gut schmecken, also Google Maps auf und log ging die Suche. Es wurde das Giotto, eine sehr gute Wahl. Ich finde es ja immer noch ein bisschen komisch, allein in ein Restaurant zu gehen, am Samstag Abend vor dem Marathon ist das aber anscheinend normal, und so war die Hälfte der Zweiertische mit jeweils einem Läufer garniert, der sich die Pasta schmecken ließ. Passend gab es ein “Läufer-Special” auf der ersten Seite, da hatte sich jemand vorbereitet. Leckere Spaghetti Bolognese gehen einfach immer. Ein Bier durfte auch nicht fehlen, um die Vorfreude nicht zu kalten Füßen werden zu lassen. Aber nun gut, ab ins Bett bevor die anderen im Zimmer das Schnarchen anfangen und für den Tag morgen fit sein. Gute Nacht.

Marathon-Tag

Mehr gibt es hier wohl nicht zu sagen. Der Marathon startete für mich als Neuling erst um 09:45 Uhr in Gruppe H. Natürlich stand ich trotzdem um 6 hellwach und mich gefühlt 200 Puls im Bett und konnte nicht mehr schlafen. Also ging es leise daran, die Flaschen mit Pulver zu füllen und sich für den Lauf fertig zu machen. Um acht Uhr ging ich dann los zum Startgelände, was ca. 1,5 km entfernt war. Das war auch einer der Hauptgründe für die Unterkunft, da ich keine Lust hatte, morgens noch ewig mit dem Bus außenrum zu fahren. An Fahrräder hatte ich beim Buchen garnicht gedacht … Mit dem Goodie Bag auf dem Rücken beladen ging es dann los. Drin waren zwei Flaschen Wasser mit und ohne Pulver, meine Startnummer, ein Riegel und Power-Marshmallows für unterwegs. Die Jogginghose und den Pulli hatte ich noch an. Es waren nur etwas über 10 Grad und das Wetter hatte wohl heute keine Lust auf Sonne. Was mir an sich während dem Lauf recht ist, ist mir davor immer einen Tick zu kühl, also lange Sachen an.

Angekommen wurde ich erst mal ein bisschen rumgeschickt, bis ich dann am richtigen Tor war. Danach ging es nach daran, das Gelände zu erkunden und an der großen Wiese vor dem Reichstag vorbei in Richtung Start. Sobald ich wusste, wo genau ich wie hinkomme gab ich meinen Starterbeutel ab und machte mich langsam auf den Weg zum Starterblock. Zwischendurch durfte ich noch ein paar Mal abbiegen, ich hatte es wohl etwas zu gut gemeint mit der Wasserzufuhr. Was sonst immer u wenig war, war wohl heute zu viel. Im Starterblock der Lahmen und Neuen angekommen wurde es dann wirklich ein Stückchen kalt. Es waren zwar überall Menschen, die standen aber auch nur rum und das Wetter wollte keinen Sonnenstrahl durchlassen. Nach einer gefühlten Ewigkeit voller Vorfreude, Angst auszukühlen und dem Drang, die Toilette nochmal zu benutzen, ging es dann langsam los und mein Startblock durfte im Schneckentempo vor an die Ziellinie. Jetzt wurde es erst und so warteten wir auf unseren Startschuss. Im Startbereich wurde öfter das Lied “Das ist Berlin” gespielt, was mich sofort fesselte und mit der Stadt verbunden hat, ich war heiß auf den Lauf, heiß auf die Zuschauer, die Strecke, das Brandenburger Tor und die Medaille um meinen Hals, die ich etwa 100 Meter entfernt bekommen sollte. So nah, und doch so fern war das Ziel also.

Es ging los! Pünktlich mit dem Einsetzen von leichtem Nieselregen lief ich über die Startlinie und war voll im Flow. Ich freute mich über jeden Schritt, jeden Meter und jeden Mitläufer neben mir. Außer den Idioten, die mir direkt vor dir Füße liefen. Davon gab es wie überall genug und so glichen die ersten Kilometer einem Hindernislauf. Es ging an der Siegessäule vorbei in Richtung Norden und zum Hauptbahnhof, wieder an den Regierungsgebäuden vorbei und weiter nach Osten. Alles machte hier Spaß, überall standen Menschen, die dem Regen trotzdem und uns anfeuerten. Die Kinder an den Straßenrändern, die ihre Arme zu den Läufern strecken und darauf warteten abgeklatscht zu werden motivierten mich und so ging der Zickzackkurs weiter zum Alex. Hier gab es heute zwar kein Bier, dafür aber nasse Straßen voller Läufern. Ich möchte nicht behaupten, dass ich danach groß wusste wo ich war, aber ich genoß jede Kurve und lief grinsend weiter.

Alle paar Kilometer stand ein Band, ein Orchester oder eine Akapella Gruppe parat und bespielte unseren Zug. Die Möglichkeiten wurde wirklich ausgeschöpft und es wurde sogar – wie sollte es auch anders kommen – die Helene zum Besten gegeben. Das Wetter war mittlerweile verdaut und so wurde der leichte Regen für mich zum Vorteil, um länger ohne Trinken auszuhalten. Die Verpflegungsstationen alle fünf Kilometer waren genau richtig und ich hatte nie das Gefühl, schneller etwas zu brauchen.

Langsam kam ich in den Flow und konnte mich mit dem Tempo der nun neben mir laufenden anfreunden und so ging es mit einer 5:15er Pace weiter. Nach 15km musste ich den ersten sehen, der von Sanitätern wiederbelebt werden musste. Ich verstehe ja den Reiz vom Marathon und auch, dass man im Wettkampf zum schnelleren Laufen tendiert. Aber sein Gefühl ausschalten und sich total auspowern? Ich hoffe es wurde wieder alles gut und so lief ich gefühlt einen Tick langsamer, da auch ich diese Distanz noch nie gelaufen war.

Etwa auf Höhe der U-Bahn Yorckstraße war die Hälfte geschafft. Ein Schild mit einer Messuhr wies uns auf die Halbmarathondistanz hin, gab uns aber auch zu verstehen, dass die selbe Strecke nochmal zu laufen sei. Ab hier verschwammen die Kilometer. Ich sah den Menschen am Straßenrand zu, tauschte mich kurz mit Teilnehmern aus und lies das Rennen auf mich wirken. Ich war endgültig im Tunnel und lies mich treiben. Leider trieb auch meine Blase und so musste ich eine unerwartete Premiere feiern und durfte die Pissoirs an der 30km Marke nutzen. Bis hier hin lief alles nach Plan. ich war in der richtigen Pace, der Puls stimmte in etwa und ich war gut drauf. Ich hatte erst einen Marshmallow verdrückt und freute mich auf die letzten 12km. Was könnte schon groß passieren. Immerhin war ich noch nie weiter gelaufen als jetzt. Ab hier ging es ins Ungewisse. Ich merkte sofort nach dem Anhalten, dass mein Körper die Anstrengung ausgleichen wollte und der Puls hoch ging. War es bis jetzt okay, da ich drin war, ging es jetzt los und ich merke, wie kräftezehrend der Lauf bisher für mich war. Die ersten Schritte zurück in mein bisheriges Lauftempo fielen mir merklich schwer. Ich fühlte mich etwas K.O. und hatte wirklich Angst, den Mann mit dem Hammer aus Versehen umgelaufen zu haben. Doch er kam nicht und so ging es nach ein paar Minuten der Wiedereingewöhnung weiter zum Ziel. Ich lief sogar schneller als vorhin. Ich war zuversichtlich, das Ziel in den 3:45 Stunden zu erreichen und klatschte so viele Kinder wie möglich ab, klatschte bei den Bands im Takt mit und fühlte mich ein bisschen wie ein Rockstar.

Ein paar Kilometer vor dem Ziel

Doch der Hammer kam bei Kilometer 38. Ich war kurz vor dem Potsdamer Platz, auf den ich mich schon sehr freute, aber jetzt ging einfach nichts mehr. Ich war durch, am Ende und der Schweinehund seinen Spaß auf meine Kosten. Ich schob mir einen dritten Marshmallow in die Backen und sah mich nach einer Motivationsquelle um. Plötzlich rief eine ältere Frau meinen Namen und forderte mich auf gefälligst schneller zu laufen, da das Ziel ja nun wirklich nicht mehr weit sei. Was soll ich sagen, sie hatte ja recht. Also biss ich die Zähne zusammen, legte den Schalter um und hoffte nach jeder Kurve auf eine neue Seite der Stadt, die mich aufbaute. Es waren ab dem Potsdamer Platz überall Zuschauer, die für Stimmung sorgten. Moderatoren brüllten in ihr Mikro und die Bands drehten gefühlt total durch. Jetzt konnte es nicht mehr weit sein. Die Pace wurde wieder an die 5 angelehnt und es ging weiter, weiter um die nächste Kurve zum Brandenburger Tor. Nein, wieder nicht. Es zog sich etwas durch die Berliner Innenstadt doch es war super. Die Stimmung war am Siedepunkt und ich hörte langsam schon die Musik und die Moderation der Ziellinie. Da wurde es Zeit für ein schnelles Foto mit der GoPro, um den Moment festzuhalten.

Auf der Zielgeraden

Und endlich kam sie: die wirklich letzte Kurve. Ich bog links ab und konnte nach langem Warten, den wunderschönen, schmerzhaften und zugleich unvergesslichen Stunden das Brandenburder Tor sehen. Jetzt ging es nur noch durch die Erdinger Schleuse, über den Pariser Platz und durch das Tor durch auf die Zielgerade. Ich war überglücklich. Jeder Schritt brachte mich meinem Ziel näher. Jetzt stimmte einfach alles. Ich war schnell unterwegs, hoffte auf ein gutes Foto der Fotografen und zog deswegen meinen Startnummerngürtel in die Mitte, was die Startnummer auf der einen Seite reißen lies. Das war mir nun auch egal, jetzt wurde das letzte bisschen aus den Beinen gequetscht und die Ziellinie erreicht.

Endlich war ich Marathoni!

42,195 km

03:48:10 h

Es gibt kein vergleichbares Gefühl. Ich war mega happy und vollkommen am Ende zugleich. Es hatte sich so sehr gelohnt! Im Zielbereich angekommen ging es nach dem obligatorischen Blick auf die Uhr und dem damit verbundenen Beenden der Aktivität zu den netten Damen, die uns verschwitzten Leuten die Medaillen umhängen durften. Apropos Zeit, die Uhr sagte am Ende 3:48:10. Ich war mehr als zufrieden, es geschafft zu haben und freute mich, nach den letzten Wochen Urlaub nicht zu viel vom Training verloren zu haben.

Im Ziel angekommen, endlich Marathoni

Die Siegerzone bot alles was das Herz begehrt: Bananen, Riegel, Gebäck und leckeres alkoholfreies Weißbier. Das schmeckt mir wirklich nur nach einem Lauf und dann können es auch gerne zwei sein. Die Beine bauen recht schnell und so wollte ich nicht so recht in der Schlange anstehen, um meinen Beutel zu holen, aber was muss das muss. Nach dem Umziehen ging des dann mit der Medaille schon etwas stolz um der Brust zurück zum Hostel.

Ich hatte mega Kohldampf. Also wirklich! Und so entschied ich mich, die Pizzeria um die Ecke nochmal in Anspruch zu nehmen und bestellte mir eine Siegerpizza stilecht mit einer Fritzcola. Genau das, was ich jetzt brauchte. Natürlich bin ich dem Pizzabäcker zu Liebe vorher noch schnell unter die Dusche gehüpft.

Die wohlverdiente Siegerpizza

Der restliche Tag ist nicht groß erwähnenswert, ich habe meinen Lauf analysiert, war zweimal beim Currywurst-Laden und habe geschaut, wie die Wahlen ausgingen, wenn ich schon extra die Briefwahl wahrgenommen habe. Aber das ist ein anderes Thema. Der Tag sollte zwar eigentlich mit der Marathonparty ausklingen, da wollte ich aber beim besten Willen nicht mehr hingehen und so blieb ich in der Hostelbar und unterhielt mich mit ein paar Läufern über das Event.

Die Ruhe nach dem Sturm

… so würde ich es zumindest treffend beschreiben. Ich war froh, den nächsten Tag ruhig angehen zu können, da der Rückflug erst abends anstand. Also machte ich mich auf, um ein Frühstück zu bekommen und eine Ausgabe des Morgenblatts zu ergattern, in dem alle Sieger des gestrigen Marathon abgedruckt waren. Ich hatte noch die Idee, mein Armband im adidas Store gravieren zu lassen. Das kostete mich ca. eine Stunde in der Schlange stehen und war meiner Ansicht nach auch nicht wirklich die Zeit wert, aber nun steht weiß auf türkis 3:48:10 auf dem Band. Fertig.

Der restliche Tag wurde noch genutzt, um die restlichen Sehenswürdigkeiten, die ich gestern nur im Vorbeilaufen gesehen habe genauer anzusehen und so ging es Richtung Ku’damm, Gedächtniskirche und weiteren interessanten Vierteln von Berlin. Die Beine wollten auch nicht mehr als über die Straßen schlendern und so war der Tag auch nicht weiter spannend.

Abends ging es dann wieder zurück zum Flughafen, um – nach der fast schon routinemäßigen Sprengstoffkontrolle – ein letztes Mal mit Air Berlin zu fliegen. Die Airline flog mich abschließend gut (und mit gut Verspätung) nach München und schloss so mein Marathon-Wochenende ab.

Abschließend?

Ich kann den Berlin Marathon nur jedem empfehlen. Nicht nur, dass es die Weltrekordstrecke ist, es ist auch bei verhältnismäßig schlechtem Wetter eine super Stimmung. Die Leute feuern dich an, egal wer du bist. Jeder wird gebührend applaudiert, die Strecke bietet Berlin pur. Für Neulinge für mich ist es einfach nur der Wahnsinn, hier laufen zu dürfen und die noch so große Anstrengung wird wieder gut gemacht, sobald man das Brandenburger Tor sieht und es passieren darf.

Was bleibt noch zu sagen? Berlin, es war mir ein Fest! Ich komme gerne nächstes Jahr zurück und feiere die nächsten Kilometer auf deinen Straßen.