Ein Jahr ist es nun her, seit dem ich meinen ersten Halbmarathon hier gelaufen bin. Kommt mir ein bisschen vor wie eine Ewigkeit. Damals war das Ziel, unter zwei Stunden im Ziel anzukommen. Das habe ich auch geschafft, wenn auch nur knapp. Das Ziel für dieses Jahr war ursprünglich 01:45h. Die Zeit, die ich letztes Jahr im Oktober beim Münchner Halbmarathon laufen wollte aber dank Erkältung nicht teilnehmen konnte. Über den Winter ist so einiges passiert, allerdings nicht in sportlicher Hinsicht und so scheint mir mein Ziel jetzt in weiter Ferne …

Am Vorabend bin ich noch kurz eine gemütliche Runde gelaufen und hab den Taxisgarten besucht. Danach haben wir wie es sich gehört eine Pastaparty veranstaltet. Alle waren müde und platt von der Arbeitswoche, aber doch motiviert für den morgigen Lauf. Das Mischmasch aus Spaghetti und anderen Nudeln mit Bolognese war natürlich sehr lecker und wir haben ordentlich gegessen, dass der restliche Abend mit vollem Magen dann fast schon eine Qual war. Aber wenn es schmeckt, dann schmeckts!

Der Tag des Wettkampfs

Um sieben Uhr bin ich dann am Samstag aufgewacht, vollkommen fertig mit der Welt. Mein Training im Freien beschränkte sich dieses Jahr auf ein Minimum, ich war quasi erst ein paar Tage wieder richtig gesund. Aber jeder Wettbewerb fordert mich heraus und da ich schon die letzte Saison mit einem abgesagten Rennen beenden musste, sollte dieses Jahr anders anfangen. Immerhin ist in zwei Monaten Marathon angesagt!

Das Wetter war traumhaft, es sollte knapp über 20 Grad werden, war für meinen Geschmack direkt nach dem Winter zwar etwas zu warm war, aber man will sich ja nicht über die Sonne beschweren. Am Vormittag habe ich mich noch mit meiner Schwester an der Hochschule getroffen. Dort war Tag der offenen Tür und natürlich wollte ich sie von München und meiner alten Uni überzeugen also ging es dann mit einem Kaffee vom Starbucks in der Hand los Richtung Campus. Ich freue mich jedes Mal wieder, in den Starbucks zu gehen. Aber wie ich mich auch bemühe und die Buchstaben teilweise schon einzeln ausspreche, es kommt immer ein anderer Name raus. Dieses Mal war es, wie könnte es auch anders sein, Manuela.

Nach einer Stunde auf dem Unigelände wurde mir klar, dass ich die Zeit doch ein wenig vermisse. Mal von den vollen Trams abgesehen. Da ich mich doch wieder etwas verquatscht hatte durfte ich mich dann auch langsam auf den Heimweg machen und zu meinem Kumpel fahren, mit dem ich den Halbmarathon laufen wollte. Mich unbedingt gemeinsam, aber zumindest wollten wir zusammen hingesehen. Zu Hause angekommen habe ich mein Rad aus dem Keller ausgegraben und bin nach Forstenried geradelt. Spätestens jetzt wurde mir klar, dass es wirklich warm war, der Rucksack hat das Ganze nicht besser gemacht. es gibt jedoch nichts schöneres als die verwirrten Blicke von Fußgängern und anderen Radfahrern, wenn man in Laufklamotten und den guten langen Kompressionsstrümpfen radelt.

Ich war immer noch nicht unbedingt fit, trotz Kaffee und rad fahren aber immerhin wach. Also ging es dann zu Fuß weiter zum Start. Einen Teil der Strecke sind wir vor einer Woche schon geradelt, da aber zum Biergarten, war alles etwas entspannter macht. Vor Ort waren schon viele Teilnehmer da. Das liebe ich an einem Volkslauf, es ist einfach für jeden etwas dabei. Vom 400m-Lauf für die 10-jährigen, über ein paar Stufen zu 10km und dann zum Halbmarathon. Es waren sowohl die richtig sportlichen Athleten anwesend wie auch Familien, die zusammen einfach ein bisschen Spaß haben wollten. Wir kamen genau pünktlich zum Kinderlauf um 13:00 Uhr an, unser Lauf war erst um 13:45 Uhr. Also konnten wir noch in Ruhe unsere Startunterlagen abholen und den Rucksack loswerden. Dieses Jahr gab es statt einem Handtuch ein Buff-Tuch, davon kann man bekanntlich nie genug kriegen. Das Tuch gab es in drei verschiedenen Farben. Ich habe mich für grau mit einem orange-rötlichen Schriftzug des Volkslaufs darauf entschieden.

Kurz vor dem Lauf an der Startlinie

Auf die Plätze, fertig, …

Kurz vor Start haben wir noch ein Selfie gemacht und sind dann zum Startbereich gegangen. Das Ziel war aktuell nur noch die Ziellinie. Ich war wirklich nicht gut drauf und fühlte mich logischer Weise auch nicht gut vorbereitet.

Der Startschuss kam mir gerade recht, meine Uhr hat nach einer gefühlten Ewigkeit ein paar Sekunden davor das GPS-Signal gefunden. Im Gegensatz zum Westparklauf vor drei Wochen hatte ich dieses Mal dran gedacht, sie aufzuladen. Die ersten 1-2 Kilometer sind wir noch zusammen gelaufen, dann habe ich mich zurückgezogen und bin ein wenig langsamer weiter gelaufen. Da ich aber Lust hatte im Fluss mitzulaufen, kamen für die ersten sieben Kilometer eine Pace von ca 05:00 raus, was deutlich schneller war als ich es vor hatte. Das Problem, was ich auch schon letztes Jahr hatte, waren die vielen langen Geraden im Kurs, die teilweise ca. 4km andauern und einfach nur stur an Bäumen vorbei auf einem buckeligen Forstweg entlang gehen. Ansonsten kann ich den Lauf aber nur empfehlen, die Strecke ist halb halb Asphalt und Schotter, es gibt sowohl sonnige Passagen als auch schattigere im Wald, für jeden Geschmack etwas.

Die ersten drei Kilometer ab dem Start geht es auf der Straße los bis man in den Forstenrieder Wald kommt. Kurz danach kommt auch schon der erste Erfrischungsstand mit Wasser, Iso und Bananen. Den ersten Stand lasse ich jedoch erfahrungsgemäß aus, da der Andrang im Mittelfeld meist sehr hoch ist und ich außerhalb von Veranstaltungen beim Laufen unter 15km fast nie etwas trinke. Die Sonne war nicht gerade gnädig und so war es dann doch noch etwas heißer als anfangs, aber es ging bisher gut voran. Nach ein paar Kilometern hatte ich ein paar Mitläufer gefunden, die in meinem Tempo gelaufen sind und so bin ich dann gemütlich weiter gelaufen und hab mir ein bisschen die Landschaft angeschaut. Nach Kilometermarke 8 kam dann der zweite Verpflegungsstand, was mir auch ganz recht war. Wen ich jedoch etwas bisher noch nicht gelernt habe, dann ist es während dem Laufen zu trinken. Das funktioniert einfach nicht. Entweder oder, also ging ich ein paar Schritte bis der Becher leer war und es ging weiter. Meine Gruppe holte ich auch schnell wieder ein, die waren mir in diesem Punkt wohl etwas voraus.

Kurz nach dem 11. Kilometer traf ich dann auch meinen Kumpel wieder. Allerdings auf der Gegenspur: Die Strecke machte einen Knick und es ging etwa 600 Meter weiter in den Wald, danach kam der Wendepunkt und man durfte wieder zurück laufen. Gut für die Gegenseite, da man stolz die anderen hinter einem grinsend ansehen kann, vorerst jedoch schlecht für mich. Seit ungefähr drei Kilometern hatte ich eine Läuferin im Nacken die einfach mal so arg schnaufen musste, dass es ganz aus war. Trotzdem konnte sie einen Schnitt von ca. 05:30 mithalten und ist mir sogar ein paar Mal auf die Hacken gestiegen. Ich hatte die Wahl zwischen ein paar Schritte gehen, was mir an sich ganz recht war oder einfach schneller laufen. Also ging es kurz ein bisschen schneller voran, doch bei dem Wendepunkt bei KM 12 bin ich blöd über die Bodenschwellen zum Zeitmessen gelaufen und etwas unsanft auf dem rechten Fuß gelandet. Das hat ihm nicht gefallen, von da an ging es bergab. Buchstäblich. Ich hatte den Höhepunkt der Strecke mit gut 60 Meter Anstieg hinter mir gelassen, von nun an ging war es also einfacher, was man jedoch bei 60 Meter auf 10KM nicht wirklich merkt. Meinen Fuß war das aber egal der wollte Ruhe und so durfte ich zum ersten Mal seit Langem bei einem Wettkampf gehen. Die Trinkpausen mal nicht mitgezählt. Zum Glück kam nach gut 13 Kilometern ein Verpflegungsstand und ich konnte das alles etwas kaschieren :)

Die letzten 10KM waren irgendetwas zwischen einer Qual und Spaß, weil mir solche Läufe einfach gefallen. Ich habe es so schnell es geht wieder mit Laufen versucht, was dann leider aber nur kilometerweise gut ging. Ich fühlte mich wie im Stop-and-Go auf dem MIttleren Ring, nur dass auf der linken Fahrbahn neben mir alle freie Fahrt hatten.

Der letzte Getränkestand war bei 18KM kurz vor dem Ziel und mich hat nach dem letzten Schluck Wasser nochmal der Ehrgeiz gepackt, unter zwei Stunden zu kommen. Fuß hin oder her. danach ging musste ich nur noch auf die Couch. Also habe ich die Zähne zusammengebissen (auf eine leckere Banane, das war auch ein First für mich) und bin wieder los gelaufen. Es ging zwar nicht mehr wirklich schnell voran aber der Wille zählt. Sowas blödes redet man sich während solchen Läufen ein. Der Wille zählt bei mir an sich nie, die Zeit muss nur unter der letzten liegen. Aber das war nun schon nicht mehr möglich also ging es um Schadensbegrenzung.

Die freiwilligen Helfer an den seltenen Kurven spornten jeden Läufer an und die Stimmung wurde unter allen merklich besser. Alle wollten ins Ziel und noch ein paar Sekunden raus kitzeln. Die letzten 400 Meter ging es ein wenig bergauf, was mir aber egal war. Mit einem kurzen Blick auf die Uhr konnte ich sehen, dass ich noch ein paar Minuten unterhalb zwei Stunden war. Ich konnte schon den wie immer hochmotivierten Sprecher im Ziel seine Witze erzählen hören und musste ein bisschen schmunzeln, als ich an die Sprüche beim Westparklauf denken musste. Da kam auch schon die letzte Kurve in die erlösende Zielgerade durch das grüne AOL-Tor.

Ich habe mein schönstes Lächeln aufgesetzt – auf den Fotos sah das dann aber doch etwas anders aus – und bin ins Ziel gejoggt. Endlich geschafft! Die Uhr stand bei 01:58:49, ich war nicht glücklich, aber doch froh, es geschafft zu haben. Der Winter war schon fast vergessen und ich überlegte wie ich die nächsten Wochen noch für die Vorbereitung auf den Worldrun in Norwegen nutzen könnte.

Quatsch! Natürlich suchte ich nur nach dem Bierstand für das wohlverdiente alkoholfreie Weißbier! Das schmeckte dann aber nicht mal so richtig, ich bin generell kein Weißbiertrinker aber anscheinend gibt es auch hier schlechte und grottenschlechte Brauereien … Mit einer Banane bewaffnet ging es dann auch gang gemütlich mit meinem Kumpel zu ihm. Da stand dann auch schon mein Rad bereit. Soweit hatte ich heute mittag nicht gedacht, darauf hatte ich jetzt gar keine Lust mehr! Aber mit ein paar Gängen niedriger als sonst ging das dann auch und ich konnte mich nach dem Duschen in Jogginghose auf die Couch legen. Auch wenn ich extra heute Morgen noch lecker Essen eingekauft hatte – am Wochenende wird immer etwas ausgewogener gekocht – habe ich mich für die Pizza von Domino’s entschieden, das war deutlich leichter! Viel länger wurde der Abend dann auch nicht, außer einem gemütlichen Netflixabend war nicht mehr viel geboten.

Beim Radeln auf der Suche nach einem Biergarten

Ein Tag Ruhe

Am nächsten Morgen bin ich dann top fit aufgewacht, so hätte das gestern laufen sollen und hatte wirklich Lust auf Sport. Da ich es aber nicht vollkommen übertreiben wollte und gestern doch ziemlich K.O. war habe ich mich für eine Radtour entschieden. Kurz nach dem Mittagessen ging es dann raus zur Isar und von da aus einfach entlang der Wege. Ich hatte kein klares Ziel vor Augen, wollte einfach ein bisschen radeln, vielleicht nach nach Grünwald, vielleicht zum Starnberger See oder auch nach einem Kilometer wieder nach Hause weil ich doch nicht fit war? Kurz vor Grünwald hatte ich dann aber bei dem schönen Wetter Lust auf ein kühles Bier und so machte ich mich dann auf die Suche nach einem Biergarten. Leider fand ich aber keinen, der nicht entweder extrem voll war oder einfach nur zu nobel für mich in Radklamotten. So ging es dann zurück und in die Meterschwaige, da war zwar auch nicht mehr Platz aber doch ein paar Radfahrer, zu denen man sich ohne schlechtes Gewissen setzen konnte.

Alles in allem also ein sehr erfolgreiches Wochenende!

Bei super Wetter nach einem anstrengenden Wochenende im Biergarten