Dieses Jahr wollte ich raus aus München und andere Städte erlaufen. Was eignet sich da besser als mein Geburtsort, also ging es nach Regensburg!

Es war wieder einmal Samstag Vormittag, ich wollte packen und stand vor meinem Kleinderschrank. Vor mir ein Haufen Sportklamotten, aber irgendwie doch nicht das richtige dabei. In weiser Voraussicht hatte ich extra eine Woche zuvor ein neues Shirt bestellt. Ich laufe nur ungern in den jeweiligen Shirts der Wettkämpfe, bevor sie sich nicht einmal gründlich mit der Waschmaschine unterhalten durften.

Da ich mich bei den letzten Läufen immer wieder für das selbe Outfit entschieden hatte, musste ein neues her. Es sollte das grüne CEP Wingtech werden. Der Onlineshop meiner Wahl sah das aber anders. Da ein Teil der Bestellung doch nicht auf Lager war und erst in zwei Monaten wieder erhältlich sein sollte, musste natürlich erst nachgefragt werden, ob ich den Artikel stornieren möchte oder die Bestellung darauf warten soll. Klar, zwei Monate warten ist ja kein Problem. Trotz Protest kam es nicht mehr rechtzeitig an, also stattete ich dem Sportscheck wieder einen Besuch ab und kaufe Nachschub. Geworden ist es das Nike Zonal Cooling Shirt in dunkelblau bzw. gelb, da ich mich im Laden nicht entscheiden konnte. Zu Hause wurde es dann die blaue Variante für den Lauf.

Fertig gepackt ging es dann zum Bahnhof.

Auf nach Regensburg

Da der Großteil meiner Familien in und um Regensburg wohnt, reiste ich schon am Samstag Nachmittag an und besuchte meine Oma und Tante. Es gab lecker Kaffee und Kuchen, wie es sich gehört.

Danach ging es auch schon wieder los, um im Hostel einzuchecken. Ich habe mich für das Microverse Hostel am Arnulfpark entschieden, da es in der Nähe des Starts liegt und einfach billig ist. Schließlich brauche ich nur ein Bett und eine Dusche. Das hatte ich dort auch, ich wurde in einem 4-Bett-Zimmer untergebracht. Statt einem Schlüssel gab es dort Türcodes, die man sich nur schwer einprägen konnte. Da ich gerne Gefahr laufe, meinen Handyakku erst kurz vor knapp aufzuladen, durfte ich über das Wochenende ein genaueres Auge auf den Füllstand haben also sonst. Schon war es kurz nach 18 Uhr und ich musste noch vor 19:00 Uhr am Start sein und meine Startunterlagen abholen. Das schaffte ich dann auch und ich konnte noch kurz über die Stände der Sportmesse schauen und mein Shirt abholen.

Der Beutel war gefüllt mit vielen Infoblättern zur Strecke und dem Ablauf von morgen, Werbung für ander Läufe in Deutschland und Österreich, einem Brillenputztuch, das ich mir am Vormittag noch kaufen wollte, einem Armband, Schwamm und natürlich der Startnummer. Gemessen wurde auch hier über mika:timing mit dem ChampionChip, was mich wie immer sehr freut, da ich mir die Leihgebühren sparen kann. Mit gefülltem Sack schlenderte ich wie der Nikolaus stilecht bei gefühlten 30° zurück ins Hostel.

Für die abendliche Portion Pasta am Abend vor dem Lauf ging es in die Pizzaria Marina hinter der Steinernen Brücke. Sehr zu empfehlen! Auf dem Weg da war das gesamte Ufer voller Teenager, die mit Musik und Shishas den Abend genossen.

Der Blick von der Steinernen Brücke auf das Donauufer

Der Abend davor

Ich weiß ja nicht wie es dir geht, aber ich finde es immer sehr befremdlich, mich allein in ein Restaurant zu setzen. Das Bier wollte ich mir aber trotzdem nicht entgehen lassen und so saß ich mit der Halben in der Hand gemütlich an und wartete auf mein Essen, als sich ein Mann zu mir setzen wollte. Ich hatte den letzten freien Tisch draußen und so holte er noch seine Frau und seinen Sohn dazu. Schon wurde es zu viert kuschlig auf dem kleinen Tisch.

Schon war das unangenehme Gefühl weg und wir erzählten von unseren Wettkämpfen, die Familie war auch im Lauf-Fieber. Ganz mithalten konnte ich mit einer Teilnahme am Ironman zwar nicht, war jedoch sehr interessant. Nach dem Essen wollte ich die drei nicht mehr weiter von ihrem gemeinsamen Abend abhalten und spazierte noch etwas durch die Altstadt. Ein paar Absperrbänder lagen hier und da schon bereit für den Lauf, meine Laune war super und ich konnte den nächsten Morgen kaum erwarten.

Auf einem Straßenkonzert am Haidplatz

Auf dem Weg zum Hostel entdeckte ich zufällig ein Straßenkonzert der Band Luis Trinkers Höhenrausch am Haidplatz. Die Stimmung war gut, der Platz voll und die Musik abwechslungsreich. Also schnappte ich mir noch einen freuen Platz und ließ den Abend ausklingen.

Im Hostel angekommen war ich dann schon recht müde, der Tag war lang und durch die Hitze generell anstrengen, also ging es gleich ins Bett. Mit meinen Zimmergenossen hatte ich dieses Mal weniger Glück, da ein paar erst gegen zwei Uhr morgens auftauchten und dies nicht ganz lautlos zum Ausdruck brachten. Das Zimmer war mittlerweile stickig und aufgeheitzt, der erholsame Schlaf ließ auf sich warten.

Get up and run!

Um sechs Uhr klingelte der Wecker und es ging nach einer Dusche und ein paar Gläsern Wasser in Richtung Startbereich. Da die halbe Stadt gesperrt war, fuhren auch keine Busse. Ich durfte also die ersten 2,5km gehen und kam dann eine Stunde vor Start vor Ort an. Der Andrang war noch relativ gering und so konnte ich in Ruhe meinen Beutel abgeben und mich für den Lauf vorbereiten.

In Regensburg gab es am Marathon-Tag vier Distanzen, den Viertel-, Halb-, Dreiviertel und den Marathon. Die Wahl fiel wie gewohnt auf den Halbmarathon. Das Wetter war bombastisch, zum Laufen nur etwas zu heiß. Schon um acht Uhr morgens wurde die Marke von 20 Grad geknackt. Die Wettervorhersagen ließen nichts gutes ahnen, es sollte noch heißer werden.

Kurz vor dem Startschluss durch die Bürgermeisterin wurden wir noch von einem Pfarrer gesegnet. Der Countdown lief, 3 … 2 … 1 …

Los ging es um 08:30 Uhr für knapp 4500 Läufer der drei längsten Distanzen, der Viertelmarathon musste noch warten. Die Stimmung war wie immer bei einem Start gut und ich hatte Lust zu laufen. Genau so ging es auch ab, die ersten fünf Kilomter vom Infineon-Parkplatz neben dem Westbad hinein in die Altstadt lief ich in einer Pace um 4:40 mit der Masse mit und hatte einfach nur Spaß. Die Temparaturen waren noch erträglich, die Zuschauer aplaudierten und mein Muskelkater war wie weggeblasen. In der Altstadt angekommen ging es Richtung Dom über das Kopfsteinpflaster. Vorbei an vielen Passanten und den alten Gassen, die sich zwischen den Häusern hindurchschlängeln. Kurz nach Kilometer drei kam dann auch schon die erste Versorgungsstation. Ein Schluck Wasser und es ging weiter. Weiter aus der Altstadt hinaus nach Osten.

Besonders gut gefiel mir das breite musikalische Angebot. Hier gab es Akkustikgitarristen, Bands, Trommler, alles was das Herz begehrt. Natürlich hat man nicht viel Zeit zum Genießen, aber auch nur daran vorbeizulaufen steigert die Motivation enorm und pusht mich, noch einmal mehr Gas zu geben. Danach regelte ich mich etwas herunter und lief im 5er Tempo weiter. Das klappte auch ganz gut. Der östliche Wendepunkt war auf der Teststrecke von Continental, einem großen Oval, das nicht gerade mit Schatten punkten konnte. Da fiel mir auf, dass ich es vielleicht doch etwas schnell angegangen hatte und so freute ich mich auf die Erfrischungsstation am Ende der Kurve.

Von da an ging es jedoch leider bergab, ich war zunehmend träge vom Wetter. Es hatte bisher um die 30°. Nicht im Schatten aber da liefen wir ja auch nicht. So konnte es gar nicht genug Wasser geben und ich lief von Erfrischung zu Erfrischung. Nach 13km zog dann auch der Pacemaker für 1:45 an mir vorbei mit dem ich anfangs mitlaufen wollte. Das Vorhaben wurde jedoch noch während dem ersten Kilometer verworfen und ich lief im davon. Vielleicht nicht die beste Taktik. Ich versuchte zwar am Ball zu bleiben, konnte aber das Tempo nicht mehr halten und ließ mich etwas zurückfallen. Ein paar meiner Mitstreiter wurden schon von Sanitätern verarztet, da sie die Hitze einfach nicht vertragen hatten.

Langsam ging es wieder in die Altstadt, nun jedoch am Donauufer entlang. Es war stark zu sehen, dass unter den Zuschauern viele Schlafmützen dabei waren, die erst nach dem Start gekommen waren. Für die Motivation war das jedoch egal, die Präsenz war wichtig und so klatschte ich Reihenweise Hände ab und fand sogar meine Tante kurz nach dem Ostentor am Streckenrand, was mich sehr freute!

Die letzten drei Kilometer waren sehr zäh, die Sonne legte Kohlen nach und gab ihr Bestes, uns von unserem Vorhaben abzuhalten. Aber nix da, mein Ziel, unter 1:49 im Ziel anzukommen, war immer noch greifbar nah. Das erweiterte Ziel von 1:45 hatte ich bereits verworfen, ein neuer HM-Rekord war jedoch noch drin. Und so zwang ich mich zum Gas geben und zapfte die Reserven an. Auf der Zielgeraden konnte ich die Bruttozeit gerade auf 1:50 springen, das Delta hatte ich nicht im Kopf aber ein Blick auf die Uhr brachte mir noch ein paar Sekunden. Und wirklich, mit 1:49:54 Nettozeit überquerte ich die Zielgerade und freute mich enorm über die drei Damen, die direkt nach dem Ziel mit einer Medaille auf mich warteten.

Im Zielbereich wurde man mit Wasser, Bier, Cola, Bananen und Wassermelonen begrüßt. Ab jetzt konnte ich das gute Wetter wieder genießen. Ich nahm dir Brille ab und nach ca. 30 Sekunden ging es mit dem Heuschnupfen auch schon los. Aber das konnte mir die gute Laune nicht mehr verderben!

Halbwegs zufrieden im Zielbereich angekommen

Gemütlicher Nachmittag auf der Dult

Da der Hauptgang des Tages nun vorbei war, wurde es Zeit für das Desert. Ich holte meinen Beutel von der Aufbewahrun ab und ging die drei Kilometer zurück zum Hotel. Zwar etwas langsamer als gewohnt aber man will es ja nicht gleich übertreiben.

Nachdem ich die Codeeingabe des Hostels beim 10. Versuch endlich zufriedenstellen konnte, packte ich nach einer erholsamen Dusche meine Sachen und machte mich auf zur Dult.

Dort traf ich mich mit meiner Tante und meinem Onkel im Hahnzelt auf ein Radler. Immerhin hatte ich viel zu erzählen. Wir liefen noch etwas über die Dult und sahen dem Treiben in den Fahrgeschäften zu.

Ich mag die Dult, es ist zwar weniger traditionell wie auf anderen Volksfesten, dafür aber auch nicht so touristisch wie auf der Wiesn. Und sind wir mal ehrlich, auch wenn es dort mehr Tracht gibt, so ist es auch nicht unbedingt schön, was dort alles als soche durchgeht.

Das Hahnzelt auf der Dult

Dann ging es auch schon wieder zum Bahnhof, wo ich meine Oma noch kurz sehen konnte, die es leider nicht zur Dult geschafft hat.

Auch wenn das Wochenende wie so oft vollgestopft mit Ereignissen und doch etwas stressig war, hat es mir in Regensburg wieder sehr gut gefallen. Der Lauf war natürlich ausschlaggebend. Ich bin gespannt, wo es mich als nächstes verschlägt.

Bis dahin geht es aber ab nächster Woche mit dem Marathon-Training für Berlin los. Der nächste Wettkampf ist der Stadtlauf in Müchen Ende Juni.