Weekend Fun

Ein Laufwochenende beginnt immer am Freitag, und so bekam ich am Freitag nach der Arbeit Besuch von meiner Schwester, die über das Wochenende bei mir blieb.

Die Shirts mit den Goody-Bags lagen schon seit letzter Woche zu Hause bereit und warteten darauf, genutzt zu werden. Dieses Jahr waren sie wieder sehr voll, neben den Asics Funktionsshirts gab es eine Trinkflasche, Kaugummies, ein Vitaminpräparat, Traubenzucker, Energie-Marshmallows, ein neues Schweißband und einen Kokos-Lippenstift. Das alles im neuen Bag in modernem schwarz mit SportScheck-Orange.

Der Goody-Bag von SportScheck

Am Samstag ging es dann nochmal los in die Stadt, um die Outfits zu vervollständigen. Meine Schwester brauchte noch eine neue Hose und Socken. Ich hielt mich dieses Mal zurück, da ich meine Gear-Sammlung die letzten Wochen schon genug erweitert hatte. Aber erst mussten wir uns beim Weißwurstfrühstück stärken und so fanden wir uns im Augustiner wieder. Was gibt es schöneres, also am Tag vor einem Lauf den ganzen Tag auf den Beinen zu sein?

Danach trafen wir uns noch mit ein paar Freunden im Biergarten und genossen den Englischen Garten in vollen Zügen, bevor es für uns am nächsten Morgen hier starten sollte.

Es wurde noch ein lustiger Abend, der wie immer etwas später als geplant zu Ende ging. Aber wer kann schon Spaß wiederstehen.

Raceday

Der nächste Morgen ging früh los, um 05:30 Uhr klingelte der Wecker. Mein Outfit hatte ich mir schon zurecht gelegt: Nachdem die kurzen Nike Shorts vom Regensburg Halbmarathon etwas gewetzt haben, entschied ich mich wieder für meine alten Wettkampf-Shorts von Asics. Passt ja zum Shirt.

Das Shirt war durch den Lauf vorgegeben. Dieses jahr war es, wie auch der bag, deutlich dezenter und in weiß gehalten. Auf der Brust konnte man groß die Zahlen 2017 sehen, statt BMW war nun Alfa Romeo als Sponsor auf dem Ärmel vertreten. An sich ein hübsches Teil, nur ein bisschen zu wenig Farbe für mich, also entschied ich mich wieder für die neonblauen CEP Strümpfe und das giftgrüne CEP Shirt drunter. Es konnte ja keiner ahnen, dass man das bei Regen durch das weiße Shirt sehen konnte …

Mit einem Blick aus dem Fenster legte ich die Sonnebrille wieder zurück ins Etui, heute war die Sonne etwas müde hinter den Wolken. Aber das sollte mir recht sein, die Woche waren es im Schnitt 30° Celsius, heute angenehme 19°.

Also ging es auf 07:00 Uhr zur Uni an den Start auf der Leopoldstraße. Dieser wurde nach 39 Jahren vom Marienplatz zur Universität verlegt worden. Anfangs war ich noch skeptisch, als ich davon gehört hatte. Am Veranstaltungsort angekommen waren alle Vorurteile aber wie weggeblasen. Die Start- und Zielgerade war lang auf der Leopoldstraße und bog erst nach ca. 400 Metern Richtung Englischer Garten ab. Die Straße war auch breiter als die engen Gassen auf dem Marienplatz und die Kurve direkt vor dem Ziel.

Auch sonst war es sehr schön aufgemacht, nach dem Startbereich gab es einen geräumigen Zielbereich, gefolgt von vielen Ständen der Sponsoren und einer guten Unterhaltung durch die Moderatoren. Ich hoffe, dass der Bereich auch nächstes Jahr wieder genutzt wird und dieser nicht nur wegen der Bauarbeiten am Marienplatz als Ersatz dient.

Es war 07:30 Uhr, ich lief mich noch eine kleine Runde warm und ging dann langsam zum Startbereich. Das Ziel war (wie schon die letzten Male) 01:45h. Dieses Mal war ich gut drauf, fit und trainiert. Ich hatte ein gutes Gefühl bei der Sache und auch das Wetter spielte mit. Also ging ich in das vordere Drittel der zweiten Blocks, der zwischen 01:35h und 02:00h lag. Ein paar Reihen vor mir sah ich den Pacemaker für 01:45, da kam ich zwar wegen den mittlerweile vielen Läufern nicht mehr hin, aber solang ich die orangen Balloons immer im Auge behalte sollte es auch passen. Pünktlich um 08:00 Uhr fiel der Startschuss für den ersten Block. In der ersten Reihe waren neben Dennis auch die Hahner Twins am Start. Der erste Block war nicht groß und so ging es nahtlos über in den Start des zweiten Blocks.

In der Startaufstellung

Atemlos, durch den Regen

Und schon ging es los! Ein kurzer Griff an die Uhr startete meinen Lauf und ich lief mit der Masse die Straße hinunter und an der Galerie entlang durch die Unterführung in den Englischen Garten. Die ersten zwei Kilometer brauchte ich, um aus der Masse zu kommen und mein Tempo zu finden. Letzteres fiel mir merklich schwer, ich hatte komischer Weise gefühlt schwere Beine und lief mit einer guten 5er Pace dahin. Es war zwar nicht warm, kam mir aber doch sehr schwül vor. Die ersten fünf Kilometer plätscherten so vor sich hin, ich lief mit meinen Nebenmännern mit und freute mich einfach nur auf die erste Verpflegungsstation. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Meine Uhr fiel bei jedem Kilometer ein wenig zurück und schnell war ich bei den Statusschildern etwa 150 Meter im Rückstand. Ich wusste nicht, ob es wie im letzten Jahr einen Fehler durch die Unterführung hab oder ob ich einfach nur gut die Kurven geschnitten hatte.

Nach der ersten Station ging es dann wieder normal weiter, das Wetter änderte sich langsam und es begann ganz entspannt zu tröpfeln. Jetzt konnte es los gehen. Auch wenn ich immer noch im Durchschnitt bei einer 5:05er Pace war hatte ich nun wieder den Entschluss gefasst, den Pacemaker nicht zu verlieren. Der war zwar immer noch ein gutes Stück vor mir, aber nicht sonderlich weiter als anfangs.

Nach 7km begannen die ersten, das Tempo zu verlangsamen oder sogar ein Stück zu gehen. So früh hatte ich damit nicht gerechnet. Das gab mir wieder etwas Kraft, mich noch mehr anzustrengen. Es ging also weiter in den nördlichen Teil des Englischen Gartens. Hier bin ich eigentlich nie. Dann bei der Hälfte sah ich auf einmal ein kleines Schild, dass uns darauf hinwies, dass hier Schafe gehütet werden. Das erntete ein paar Lacher und auch ich fragte mich nach dem Sinn. Doch nicht lange, nach der nächsten Kurve fingen tatsächlich Stromzäune an, die eine wirklich große Schafherde einzäunten. Mitten in München im Englischen Garten! Leider hatte ich meine GoPro nicht rechtzeitig zur Hand, langsamer laufen wollte ich deswegen auch nicht.

Im Gegenteil: Ab dem Überquaren der 10km Marke in recht akzeptabler Zeit für einen lockeren Trainingslauf packte mich wieder er Ehrgeiz. Von nun an ging es mit einer 04:xx Pace weiter! Die Kilometertafeln zogen an mir vorbei, ich war im Tunnel. Nach 16 und 18,5km kamen noch die zwei letzten Verpflegungsstationen, die ich aber schnell abhakte und mir nur kurz ein Wasser nahm. Bei Kilometer 17 nahm ich meinen Marschmellow aus der Tasche, das hatte ich noch nie ausprobiert. Also rein damit in die Backen und einfach hoffen, dass einen keiner genauer anschaut. Oder einfach schnell genug laufen. Das Zeug war gar nicht mal so schlecht, zwar etwas ungewohnt, löste sich aber ruhig innerhalb eines Kilometers auf. Zugegeben mit etwas Nachhilfe, ich war dann doch zu ungeduldig. Jetzt fing es auch richtig zu regnen an. Es war zwar nun kühl und ich war durch das Laufen auch warm genug, daher kein Problem.

Direkt nach dem Ziel auf dem Weg zum Zielbereich

Das Schild von 20km war passiert und ich schraubte die Geschwindigkeit noch etwas nach oben. Den letzten Kilometer ging es mit 04:30 voran, dann kam auch schon die letzte Kurve hinein in die Zielgerade. Mit großen Schritten ging es im Sprint ins Ziel. Ein paar Meter vor der Ziellinie sah ich die beiden Pacemaker für meine Zielzeit von 1:45 stehen, die wie zwei Flummis hüpfend die letzten Läufer mitivierten, um noch in der Zeit ins Ziel zu kommen. Also schürte ich nochmal Kohlen nach und erhöhte das Tempo. Dieses Mal fiel es mir leichter, ein Lächeln zu zeigen und so ging es super gelaunt in Siegerpose für die Kamera durchs Ziel. Ein kurzer Blick auf die Uhr belegte es: ich hatte es in 01:43h geschafft! Endlich! Nach einem guten Jahr hatte ich mein Ziel erreicht, und das sogar zwei Minuten schneller. Ich war vollkommen zurieden, der Regen prasselte mittlerweile erbarmungslos auf uns ein. Aber weiter ging es in Richtung der Getränke. Lecker Adelholzener, Bananen, Äpfel und Laugenstangen wurden serviert und ein paar Mädels verteilten gut gelaunt die Medaillen. Jetzt ging es ans Runterfahren. Das Wasser war schnell leer und die Stimmung wie immer im Zielbereich super. Alle grinsten pitschnass vor sich hin und mampften die Bananen. Das Moderatoren-Duo trug wie beim Start am Morgen zu dieser Stimmung bei und redeten ununterbrochen über Laufen, und andere Themen.

Cooldown-Phase mal anders

Der Lauf war beendet. Als ich den Zielbereich verlassen hatte, wurde mir direkt ein kühles Erdinger alkoholfrei in die Hand gedrückt. Da weiß wer, wie es geht! Ich war auf der Suche nach meiner Schwester und meinem Bruder, die um 10:35 Uhr die 10km vor sich hatten.

Das klang erst recht gemütlich, doch bei prasselndem Regen eine knappe dreiviertel Stunde warten und dann ist nur bedingt amüsant. Immerin fand ich meine Schwester vor dem Start noch und konnte ihr so noch etwas Mut machen. Sie wollte erstmals unter eine Stunde kommen. Der Regen brachte aber keinen Abriss und so liefen alle mit Elan los wie es sich gehört. Die nächste knappe Stunde war dann jedoch eine weitere Herausforderung, es kühlte stark ab und da ich nichts dabei hatte stellte ich mich für eine Weile unter, um nicht vollkommen im Regen zu stehen.

Nach 58 Minuten kam meine Schwester ins Ziel und so hatten wir beide Grund zum Feiern. Jedoch im Trockenen und so machten wir uns recht zügig wieder auf den Heimweg.

Ein erfolgreiches Wochenende mit vielen Eindrücken und Erinnerungen. Ein weiterer Wettkampf und eine neue Medaille für meine Wand. Ich war leicht kaputt und machte mir nur noch einen gemütlichen Nachmittag. Weiter geht es Mitte Juli mit dem B2RUN, gefolgt von meinem ersten Berglauf und dem Bavarian Run. Aber das ist noch in der Ferne, nun werden erst einmal die Füße hochgelegt und weiter für den Marathon trainiert.