Backpacking für Anfänger

Da ich das erste Mal backpacken wollte, musste ich mich zuerst informieren, was man braucht und was nicht. Und natürlich glaubt man keinem, dass ein kleinerer Rucksack und weniger Gepäck auch vollkommen ausreichend ist, immerhin wurde der Koffer früher im Hotelurlaub auch voll und jetzt macht man ja viele verschiedene Dinge. Quatsch! Ich habe brav für die 12 Tage Klamotten mitgenommen, dass es in Mexiko genau wie überall auf der Welt auch Wäschereien gibt konnte ja keiner ahnen.

Also habe ich mir das 65l-Monster Venturesafe von Pacsafe gekauft - auf jeden Fall eine gute Wahl, vielleicht nur etwas zu groß für meine Bedürfnisse. Immerhin schleppt man den ja mit sich rum und muss damit durch enge, bevölkerte Gassen, Busse und mehr. Vor Reiseantritt waren mir noch Kleinigkeiten wie eine Stirnlampe, um nachts auch mal etwas zu finden, eine Trinkflasche mit Filtersystem, um auch wirklich immer und überall trinkbares Wasser herzubekommen und ein Selfie-Stick wichtig. Gegen diese Modeerscheinung sträube ich mich nicht nur seit Jahren, ich betone es auch bei jedem Anlass. Alles habe ich nicht einmal genutzt, so wird die Wohnung wenigstens effizienter als Lagerhalle zweckentfremdet …

Nächstes Mal werde ich weniger Sachen mitnehmen, diese dafür aber gezielter auswählen, immerhin müssen sie einiges aushalten und sollten nicht unterwegs kaputt gehen. Der Rucksack wird auf das Handgepäck minimiert und der Komfort sowie der Abenteuerfaktor gehen dafür nach oben, aber fangen wir von vorne an, das werde ich ein anderes Mal thematisieren.

Der malerische Karibikstrand von Tulum

Cancún

Der Flug war lang, um 06:00 Uhr morgens ging es von München über Paris (je ne parle pas français …) nach Cancún. Von Cancún hatte ich bereits viel gehört, meistens über Spring Break und dass es nicht das “richtige” Mexiko widerspiegelt. So war es dann auch, die Stadt liegt mitten im Nirgendwo, beim Anflug sieht man erst nur Meer und Wald und dann aus dem Nichts ein Luxushotel nach dem anderen.

Der erste Kontakt mit Mexiko war dafür sehr lustig, gefühlt niemand am Flughafen sprach Englisch und die Geldautomaten funktionierten nicht. Aber irgendwie habe ich es dann in ein Collectivo (eine Art Gemeinschaftstaxi) geschafft und wenn man mal davon absieht, dass der Fahrer kein einziges Hostel gefunden hat und wir von der Polizei aufgehalten wurden, lief alles reibungslos.

Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich dann im Mezcal Hostal (der Name war Programm) abgestiegen und wollte eigentlich nur schlafen. Aber was tut man, wenn man in einem fremden Land auf Menschen trifft, die gut drauf sind und Party machen wollen? Man macht mit! Den ersten Tag meines Urlaubs habe ich mit ein paar Backpackern aus dem Hostel damit verbracht, die Cocktails der Strandbars zu testen. Irgendwer muss es ja tun.

Eigentlich wollte ich noch auf die Isla Mujeres, die habe ich dann aber wenigstens aus der Ferne von einer gemütlichen Liege aus gesehen.

Die Nohoch Mul-Pyramide in Cobá

Tulum & Cobá

Der erste Umzug stand an und es ging mit dem Bus nach Tulum, darauf freute ich mich wegen den vielen Bildern auf Instagram. Aber erst musste ich dort ankommen. Der Bus tuckerte gemütlich in vier statt drei Stunden zum Ziel, von dem Unterschied zwischen 1st und 2nd Class Bussen hatte ich zwar gehört, es war dann aber doch eine kleine Umstellung zu den deutschen Bussen. Das hat aber vollkommen gereicht.

In Tulum angekommen ging es zuerst in ein etwas heruntergekommenes Restaurant, wenn man das so nennen kann. Es gab ca. 6 kleine Tische, der Raum war komplett leer und die Köchin war gleichzeitig Chefin und Bedienung in einem. Hier wurde es dann zum ersten Mal schwierig mit Englisch und ich durfte auf meine Spanisch-Reserven zurückgreifen, die ich mir in den letzten vier Wochen mit Duolingo angeeignet hatte. Bis jetzt war ich stolz auf meine “Künste”. Was für ein Reinfall, mit Händen und Füßen bekam ich mein Essen, das hat sich allerdings gelohnt. Wenn es etwas gibt, was ich jetzt neben dem Klima wirklich vermisse, ist es das Essen! Andererseits kann man gar nicht so viel Sport machen, wie man sich Kalorien reinstopft, aber das ist eine andere Geschichte, ich war schließlich im Urlaub.

Das Weary Travelers Hostel hatte eine große Tafel im Innenhof neben der Bar. Jeder saß abends dort, immerhin gab es täglich von 7 bis 8 Caipis für lau. Das nenne ich Happy Hour! Ich kann es nur empfehlen, es gibt eine wirklich große, überdachte Küche, in der man selbst kocht. Morgens gibt es Eier, Pfannkuchenteig und was man sonst noch für ein leckere Frühstück braucht, der Rest liegt in der eigenen Hand. Schon hier waren die Gäste anders als in Cancún. Es gab weniger Party-Urlauber und dafür mehr Langzeitreisende, die mir neben wahnsinns Stories auch ein paar Tipps für meine weitere Reise geben konnten, ich war ja noch sehr flexibel und hatte noch keine Ahnung wo es hin gehen sollte. Unter anderem habe ich hier zwei Deutsche aus dem Raum Stuttgart getroffen, die auf dem Weg nach Panama waren. Wir haben abends zusammen gekocht, genau: Maultaschen. Da fährt man ans Ende der Welt und dann das :)

Am nächsten Tag stand auf jeden Fall Cobá auf dem Programm. Es gab nicht so viele Busse. Um genau zu sein: zwei hin und einer zurück. Dass dieser Plan nicht sehr gut durchdacht war merkte ich, als ich dann nur noch eine Einzelfahrt nach Cobá kaufen konnte, da der Rückbus bereits ausgebucht war.

Cobá war schon etwas Besonderes. Man kommt an, wird von verkleideten Mayas empfangen und hat dann direkt nach dem Eingang zur Stadt die Wahl zwischen einem eigenen Rickscha-Fahrer und einem uralten, rostigen Fahrrad. Auch wenn wir gewarnt wurden, dass es mehrere Kilometer Weg sind (wie furchtbar), entschieden wir uns zu Fuß zu gehen. Das Essen danach muss man sich schließlich verdienen. Neben vielen kleinen Pyramiden, Ballplätzen und weiteren Gebäuden war die Nohoch Mul-Pyramide die beeindruckendste. Vor allem, weil man raufklettern durfte. Die Stufen waren mit etwa 30 cm fitnesstauglich. Das ist so hoch wie sechs aufeinanderliegende Fachbücher, 30 Ärzte-Alben oder der Stapel leerer Pizzaschachteln einer Fußballmannschaft nach einem verlorenen Spiel. Oben angekommen wird man aber mit einem super Ausblick belohnt: Dschungel soweit man sehen kann.

Danach ging es noch auf dem Rad in eine Cenote (unterirdische, mit Wasser gefüllte Tropfsteinhöhlen). Die Räder waren genau so rostig und klein wie die anderen und wir haben erst nach dem Verleih gelesen, dass die Cenoten 6 km entfernt war. Es ging auf und ab, das Wetter war knackig heiß, die Kette ist regelmäßig rausgesprungen und die Rücktrittbremse klemmte. Mehr davon! Aber dafür war die Höhle toll, wir hatten eine ruhige Zeit erwischt und hatten die Cenote für uns. Das besondere an der Cenote war, dass die Wendeltreppe nach unten zwei Sprungtürme integriert hat. Einen mit 5 und 8 Metern.

Am Tag darauf besichtigte ich die Ruinen von Tulum und konnte am Strand etwas chillen. Die Bilder sollten ja den Rest erklären, super!

Die Kukulcán-Pyramide in Chichén Itzá

Valladolid & Chichén Itzá

Das nächste Ziel stand fest: Auf nach Valladolid! Die kleine Stadt liegt im Landesinneren, ist nicht so touristisch wie Tulum oder Cancún, die Menschen sind etwas ruhiger und freuen sich, wenn man wenigstens versucht, Spanisch zu sprechen. Zuerst war ich etwas verwirrt, aber in der Tat bin ich mit dem Bus innerhalb von knapp zwei Stunden in eine andere Zeitzone gereist, verrückt.

Abends bin ich mit ein paar Backpackern aus dem Hostel (ich war im La Candelaria) auf Empfehlung des Personals in ein kleines, unscheinbares mexikanisches Restaurant gegangen. Hier gab es leckere Tacos für 11 Peso, also etwa 50 Cent. Einfach unschlagbar und sehr lecker!

Das Hostel hatte einen schmalen aber langen grünen Hof, in dem Sitzgelegenheiten, die Küche und ganz hinten eine Ruheecke mit drei Hängematten waren. Nach 23 Uhr war keiner mehr wach, es gab keine Bar und die Mücken hatten mehr Spaß als ich, aber das reichte auch.

Der ursprüngliche Sinn meines Abstechers nach Valladolid war neben den Cenoten, die hier wirklich schön sein sollten, die Nähe zu Chichén Itzá. Die Maya-Stadt mit der weltberühmten Pyramide kennt wohl jeder. Was tut man nicht alles als guter Tourist, das wollte ich natürlich sehen und damit mein erstes Weltwunder der Moderne live erleben. Um 7 Uhr ging es mit dem Bus los, dort angekommen war es in der Tat noch recht ruhig. Die Massen kamen erst gegen 11 aus Cancún angekarrt, dann dafür aber richtig und es wurde stellenweise ungemütlich.

Die Ruhe konnte ich genießen und mir so alles ganz entspannt ansehen, ohne ewig die armen Menschen vor meiner Linse wegscheuchen zu müssen. Win win also! Man merkt aber deutlich, dass die Stätte auf den Tourismus ausgelegt ist. Es kostet ein Vielfaches von Cobá und überall wird (zumindest ab dem frühen Mittag) in Verkaufsständen sinnloses Zeug an den Mann (m/w) gebracht.

Aber gut, Haken dran und zurück ins Hostel, den nächsten Tag war ich mit dem Rad unterwegs zu den Cenoten. Wie immer war ich nicht allein, es ist wirklich erstaunlich, wie leicht man eine Begleitung für einen Ausflug findet. Auf dem Rückweg hielten wir an einem kleinen Streetfood-Stand an. Das Essen sah sehr lecker aus. Auf die Frage, worauf wir denn Lust haben (mittlerweile konnte ich relativ gut erahnen, was man von mir will), griff die Dame einfach einmal quer durch die Töpfe und bot uns alles zum Testen an. Hygienisch vielleicht etwas problematisch, geschmacklich dafür umso besser, gab es dann die leckersten Burritos überhaupt.

Die bunte Stadt Mérida

Mérida

Da ich noch genug Zeit hatte bis der Flug zurück ging, wagte ich einen Abstecher nach Mérida und fuhr damit ein gutes Stück weiter an die Westküste von Yucatán in dessen Hauptstadt.

Mérida ist bunt, die Häuser passen farblich zwar nicht unbedingt zu den jeweiligen Nachbarn, aber das Gesamtbild ist fast immer stimmig. Die Straßen sind dicht befahren und hier gibt es zum ersten Mal so etwas wie eine Einkaufsstraße, die nachmittags auch immer gut voll ist. Im Stadtkern fahren sogar oft Kutschen. Der Stadtplatz neben der Kirche durfte einer großen Krippe mit menschengroßen Figuren weichen. Es war ja bald Weihnachten, sogar ein Weihnachtsmann war dabei. In voller Montur und schweißnass ging er langsam über den Platz. Glücklich sah er nicht wirklich aus.

Das Hostel meiner Wahl war das Normadas, das mir mehrfach empfohlen wurde. Es hatte auch noch ein Zimmer frei, spätestens jetzt machte sich der Beginn der Hauptsaison aber wirklich bemerkbar. Die Hostels wurden deutlich teurer und die Zimmer knapper.

Abends gab es dann zum Vorglühen Bier aus stattlichen 1,2 l Flaschen, danach ging es durch die Salsa-Clubs. Nicht, dass ich auch nur irgendwie tanzen könnte, aber mit dem Verlust des Schamgefühls ist bekanntlich alles möglich und die Hauptsache ist doch, dass man Spaß daran hat.

Der Tag darauf fing langsam an. Ich kann nicht sagen, ob es an den Folgen der letzten Nacht lag aber zum ersten Mal hatte ich absolut keine Lust, etwas zu unternehmen und so ging ich einfach durch die ganze Stadt und sah mir die Häuser an. Es hatte ja nur um die 30° …

Schon in Valladolid habe ich gemerkt, dass kein Hostel mehr für die Insel Holbox frei war und ich hatte noch keine Antwort auf meine Anfrage in einem schönen Hostel bekommen, aber dann endlich einen Tag davor kam die E-Mail und ich konnte doch noch dort hin fahren.

Auf der Suche nach Flamingos auf der Insel Holbox

Holbox

Die Fahrt auf die Insel allein war schon ein Abenteuer: Nachdem ich noch einen Schlafplatz im Tribu Hostel ergattern konnte, machte ich mich auf die Suche nach einer Busverbindung. Und in der Tat, es gab eine. In Worten: Eine. Und zwar mit einem klapprigen Nachtbus ab 22:30 Uhr gemütlich bis 05:45 Uhr pünktlich zur ersten Fähre in der winzigen Hafenstadt (eher ein Hafendorf) Chiquila. Ich habe kaum geschlafen, die Nacht hätte ich noch im Hostel in Mérida gebucht, bin etwas neben mir auf der Insel angekommen und hab das Hostel auch irgendwann gefunden. Die Karte auf dem Handy war mittlerweile abgelaufen und nach dem Ladeversuch grau. Zum Glück war der bewohnte Teil der Insel nicht sonderlich groß.

Angekommen durfte ich feststellen, dass die Rezeption erst um 9 Uhr auf macht. Also vertrieb ich mir die Zeit am Strand und schaute mir die Insel an. Mit dem Rucksack auf dem Rücken konnte ich dann auch das Fitnessprogramm für den Tag abhaken.

Holbox war mein letzter richtiger Stop dieser Reise. Hier laufen die Uhren anders, gemütlicher! Die ruhige und idyllische Insel ist nur zu einem kleinen Teil bewohnt, es leben ca. 1500 Menschen dort, der Rest der Insel ist Naturschutzgebiet. Klein aber fein lautet die Devise, hier gibt es ein paar Restaurants, Supermärkte, Bars, ein Schreibwarengeschäft und sogar eine Wäscherei. Leben lässt es sich ganz gut, man ist auf jeden Fall von der Außenwelt isoliert. Nicht nur von der generellen Lebensweise, auch in Sachen Internet. Hier ist Geduld gefragt.

Die Straßen sind wenig befahren und bestehen nur aus Sand, man sieht höchstens ein paar Golfkarts herumfahren. Es gibt sogar Taxis, natürlich auch Golfkarts.

Die Strände sind zum größten Teil naturbelassen und voller Muscheln, stellenweise ist kein Sand mehr zu sehen. Ich hatte gehört, dass es weiter nördlich Flamingos zu sehen gibt, also bin ich mit Flipflops den Strand hoch gelaufen. Am Rand des Naturschutzgebiets kam ich dann aber auch an meine (kleidungstechnischen) Grenzen. Auf dem einzigen schmalen Pfad weiter nördlich lag eine fette Schlange, dafür hatte ich dann doch nicht die optimalen Schuhe an … Also ging es zurück ins Dorf und zum Essen.

Am nächsten Morgen konnte ich mich endlich mal wieder zum Sport aufraffen, es war extrem schwül und ich lief keuchend kurz vor Sonnenaufgang bei drückenden 26° am Strand entlang der Sonne entgegen. Daran könnte ich mich gewöhnen, mein Körper aber wohl nicht.

Der letzte Tag auf der Insel stand im Zeichen der Flamingos. Nachdem die geplante Kayak-Tour durch die Mangroven ausfiel, da die Kayaks spontan zum Reparieren auf dem Festland waren, ging ich zusammen mit einem Reisenden, der zufällig sowohl hier als auch in Valladolid im selben Dorm geschlafen hatte, auf die Suche nach den scheuen Tieren. Da der Weg durch das Naturschutzgebiet laut Rezeption nicht bis zu der Stelle passierbar war, liefen wir ca. vier Stunden auf einer Sandbank entlang, bis wir endlich eine kleine Gruppe Flamingos sehen konnten. Auf dem Weg haben wir neben der wunderschönen Natur viele Muscheln und dutzende dieser Urzeitkrebse am Strand gesehen.

Am Abend ging es dann auch schon wieder mit der Fähre zurück aufs Festland und mit dem Bus nach Cancún, da die Isla Mujeres komplett ausgebucht war. Den letzten Tag verbrachte ich noch mit der endlosen Suche nach Postkarten und Souvenirs, gar nicht so einfach. Nachdem ich vom Hostel aus bis ins Zentrum der Hotel Zone gelaufen war, hatte ich alles zusammen und durfte dann zurück im Hostel erfahren, dass die Post derzeit streikt.

Die Strandstraßen auf Holbox mit Golfkarts

Das war also mein kleiner Trip nach Mexiko, es war zwar viel zu kurz, ich kann es aber nur jedem empfehlen. Reisen lohnt sich immer. Es ist keine Sache der Planung, sondern der Einstellung. Mexiko bietet für jeden etwas: Strände, Ruinen, Dschungel und viele andere besondere Kleinigkeiten, die das Land so schön machen. Ich komme definitiv wieder hier her!